Iran: Proteste vorerst niedergeschlagen, doch Regime geschwächt und Wut wächst
Iran: Proteste vorerst niedergeschlagen, doch Regime geschwächt und Wut wächst
Nach Angaben der Quelle
Kurzüberblick: Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur erklärt, dass die Proteste im Iran durch brutale Gewalt des Regimes vorerst zum Erliegen gekommen sind. Trotzdem sei das Protestpotenzial gewachsen, da die Wut der Bevölkerung über die immense Brutalität kaum zu bändigen sei. Das Mullah-Regime sei intern und extern geschwächt, und seine Zeit in der jetzigen Form laufe ab.
Nach Einschätzung der Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur sind die Proteste im Iran weitestgehend zum Erliegen gekommen. Dies sei auf die „brutalste Härte“ des Regimes zurückzuführen, das ein „immenses Blutbad“ angerichtet habe, mit Berichten über Tausende Tote und gezielte Schüsse auf Demonstranten, auch in Krankenhäusern. Trotz der aktuellen „Friedhofsruhe“ sei das Protestpotenzial im Land jedoch gewachsen. Die Abstände zwischen den Protestwellen würden kürzer, und immer mehr Bevölkerungsschichten, einschließlich der traditionell regimefreundlichen Basarhändler, schlössen sich an. Die Wut der Angehörigen von Toten und Verletzten sei kaum zu bändigen, und es brauche „nur den nächsten Funken“, um neue Aufstände auszulösen. Das Regime stütze sich primär auf die Revolutionsgarden, die nicht nur militärisch gut ausgerüstet, sondern auch eine große Wirtschaftsmacht seien und bis zu drei Viertel der iranischen Wirtschaft kontrollierten. Diese Gruppierungen hätten viel zu verlieren und würden daher „mit dem Rücken zur Wand stehend“ kämpfen. Amirpur hält es für möglich, dass es bei zukünftigen Aufständen zu einem noch größeren Blutbad kommen könnte. Sie sieht aber auch das Szenario, dass Millionen Menschen auf die Straße gehen und ein Momentum erreichen, dem selbst die Revolutionsgarden nicht mehr standhalten könnten. Eine geeinte Opposition oder eine Integrationsfigur gebe es derzeit nicht; Rufe nach dem Schah-Sohn Reza Pahlavi seien eher als ultimativer Angriff auf die Islamische Republik zu verstehen. Es gebe jedoch „genügend gutes politisches Personal“ in iranischen Gefängnissen. Rufe nach US-Hilfe, etwa von Donald Trump, seien Ausdruck einer „wahnsinnigen Verzweiflung“ in der Bevölkerung. Amirpur betont, dass das iranische Regime intern und außenpolitisch so geschwächt sei wie lange nicht mehr. Es habe 90 Prozent der Bevölkerung nicht mehr hinter sich und stehe ohne frühere Verbündete wie die libanesische Hisbollah, die Hamas oder Syriens Baschar al-Assad da. Daher sei die Hoffnung begründet, dass die Zeit des Regimes in seiner jetzigen Form abläuft.
Quelle: www.tagesschau.de
