Entscheidung über Exzellenzuniversitäten: Kritik am Wettbewerb bleibt bestehen
Entscheidung über Exzellenzuniversitäten: Kritik am Wettbewerb bleibt bestehen
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Kurzüberblick: Heute Abend fällt eine wichtige Entscheidung über die zukünftige Förderung von Exzellenzuniversitäten in Deutschland, deren Zahl ab 2027 auf 15 steigen soll. Während die Exzellenzstrategie vom Wissenschaftsrat als Erfolg bewertet wird, gibt es weiterhin Kritik am Antragsverfahren, der Finanzierung und der Wirksamkeit des Wettbewerbs.
Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern sieht vor, jährlich 687 Millionen Euro für Spitzenforschung zu verteilen, wovon der Bund 75 Prozent trägt. Sie umfasst zwei Förderlinien: Exzellenzuniversitäten und Exzellenzcluster. Im kommenden Jahr soll die Zahl der geförderten Exzellenzuniversitäten auf 15 erhöht werden, mit einer Förderung bis Ende 2033. Heute Abend wird entschieden, welche der neun Universitäten und eines Verbunds, die derzeit im Rennen sind, in der Förderung bleiben. Die Universität Konstanz ist ausgeschieden, da sie in der Förderlinie der Exzellenzcluster zuletzt nicht überzeugen konnte. Professor Tilman Reitz, Soziologe an der Universität Jena und Mitglied des „Netzwerks Nachhaltige Wissenschaft“, äußert sich skeptisch. Er kritisiert, dass der Wettbewerb nicht unbedingt originelle oder solide Forschungsvorhaben hervorbringe, da Forschungsthemen oft nur wegen des Geldes entwickelt würden. Zudem reiche die finanzielle Ausstattung deutscher Universitäten im internationalen Vergleich, insbesondere mit US-Spitzenuniversitäten wie Harvard, nicht aus, um Weltklasse-Universitäten zu schaffen; stattdessen würden „Hochglanz-Fassaden“ produziert, während man im Mittelfeld bleibe. Reitz plädiert für mehr Geld in der Grundausstattung der Hochschulen. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, der die Strategie mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchführt, bewertet die Exzellenzstrategie hingegen als Erfolg. Er verweist auf größere Erfolge der Exzellenzuniversitäten in nationalen und internationalen Wettbewerben, eine gute Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen und Vorteile für Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. Die Kritik am aufwendigen Antragsverfahren nimmt Wick ernst und kündigt eine interne und externe Evaluation der Strategie an. Eine Umwidmung der Exzellenzgelder für die Grundfinanzierung sei jedoch aufgrund bestehender Bund-Länder-Vereinbarungen nicht ohne weiteres möglich.
Quelle: www.tagesschau.de
