Arbeiterwohlfahrt fordert umfassende Reform des Sozialstaats
Arbeiterwohlfahrt fordert umfassende Reform des Sozialstaats
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat Vorschläge für eine grundlegende Reform des Sozialstaats präsentiert, um Armut zu bekämpfen und Arbeitsanreize zu schaffen. Ein zentraler Punkt ist die Bündelung von Sozialleistungen und die Einführung eines finanziellen Anreizes für Erwerbstätige.
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht den deutschen Sozialstaat in einer tiefen Krise. Zu bürokratisch, zu komplex und nicht ausreichend wirksam im Kampf gegen Armut – so lautet das Urteil des Wohlfahrtsverbands. Um diese Probleme zu lösen, schlägt die AWO eine umfassende Reform vor, die auf den Empfehlungen der Sozialstaatskommission der Bundesregierung basiert.
Ein Kernpunkt der Reformvorschläge ist die Zusammenlegung von steuerfinanzierten Sozialleistungen wie Grundsicherung, Wohngeld und Kinderzuschlag zu einer einheitlichen Leistung für erwerbsfähige Menschen. Ergänzt werden soll dies durch einen sogenannten ‚Erwerbsbooster‘, der finanzielle Anreize für die Aufnahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen schafft. Konkret sollen Haushaltsmitglieder, die ein Einkommen oberhalb der Minijob-Grenze erzielen, 100 Euro zusätzlich erhalten. Für Alleinerziehende ist ein weiterer Freibetrag vorgesehen.
Laut Berechnungen des Ifo-Instituts könnten die Reformen die Armutsgefährdungsquote in Deutschland um 0,9 Prozentpunkte senken und insbesondere Alleinerziehenden sowie Familien mit Kindern zugutekommen. Zudem wird ein Anstieg der Arbeitsstunden um 188.000 Vollzeitäquivalente erwartet. Allerdings würden die Reformen jährliche Mehrkosten von 5,4 Milliarden Euro verursachen, was vor allem auf die großzügigere Ausgestaltung der Leistungen zurückzuführen ist. Die AWO sieht dennoch eine Chance, den Sozialstaat zukunftsfähig zu machen und die soziale Sicherheit zu stärken.
Redaktion und Aufbereitung: AboMatrix
